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Allergie & Psyche: Wenn schon beim Anblick einer Wiese die Nase juckt
KÖLN, 05. August (MedCon) - Niesattacken, Luftnot und Augenjucken - wer unter Heuschnupfen oder einer Allergie gegen Katzenhaare leidet, reagiert unter Umständen schon allergisch, wenn er nur das Foto einer Wiese oder Katze sieht. Da die reizenden Allergene in diesen Fällen gar nicht in der Nähe sind, muss ein besonderer Mechanismus hierbei eine Rolle spielen. "Der Allergiker weiß, dass er bei Katzen immer niesen muss, er erwartet es geradezu. Irgendwann läuft die allergische Reaktion dann reflexartig ab und er bekommt Schnupfen, auch wenn er nur ein Foto sieht - das entspricht einem unbewussten Lernvorgang", erläutert Dr. Norbert K. Mülleneisen vom Ärzteverband Deutscher Allergologen (ÄDA).
Das vorgestellte Beispiel ist zwar eher ein Extremfall, doch in der Praxis können psychische Einflüsse die allergische Reaktion beziehungsweise die Beschwerden verstärken oder begünstigen - leider oft unbemerkt von den behandelnden Medizinern. Oft spielen Stress, Beziehungskonflikte, Depressionen und Ängste eine Rolle beim Auftreten allergischer Symptome, Mülleneisen spricht hier von Kofaktoren. Allergologen gehen außerdem davon aus, dass bei etwa der Hälfte aller Asthma-Anfälle als mögliche Auslöser neben einer allergischen Komponente, Infektionen und physikalischen Reizen auch emotionale Faktoren beteiligt sind.
"Ohne Frage bestehen enge Beziehungen zwischen Nerven- und Immunsystem", bestätigt auch Prof. Dr. Harald Renz von der Deutschen Gesellschaft für Allergologie und klinische Immunologie (DGAI). "Sie wirken in beide Richtungen und werden durch Neurotransmitter vermittelt."
Wissenschaftler beschäftigen sich zurzeit besonders mit der Gruppe der so genannten Neurotrophine: Diese Botenstoffe werden nicht nur von Nerven-, sondern auch von Immunzellen gebildet, und sie wirken auf beide Zellsysteme. Bekannt ist, dass sie Zellen vor dem programmiertem Zelltod schützen. "Neurotrophine scheinen eine wichtige Schnittstelle zwischen Nervensystem und Immunsystem zu bilden. Sie werden bei allergischen Reaktionen überschießend produziert und bleiben über Tage und Wochen hinweg wirksam", erklärt Renz.
Doch auch, wenn psychische Einflüsse bei allergischen Reaktionen eine Rolle spielen - eine "Allergie-Persönlichkeit" gibt es jedoch nicht. Denn eine Allergie ist keine seelische Erkrankung, sondern beruht in erster Linie auf einem fehlgesteuerten Immunsystem. Dabei reagiert der Körper auf an sich harmlose Substanzen wie Pollen, als wären es krankheitserregende Keime - mit einer Psychotherapie kommt man dabei nicht weiter.
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